Multiple Proportions // Ana Bogner

Seit Montag ist die neue EP »Multiple Proportions« von Ana Bogner auf dem Label Headphonica erhältlich. Wir interviewten sie, redeten über ihre Musik, und ihre Bedeutung.
An einem Dezembertag in einem Café in Neukölln treffen wir die junge Musikerin.


Anna ist eine junge Frau mit kurzem dunkelbraunem Haar von mittelgroßer Statur. Ihr Kleidungsstil ist schlicht und irgendwie doch ausgefallen. Sie selbst wirkt gelassen und erzählt mir mit ruhiger Stimme von ihren ersten musikalischen Erfahrungen.

Angefangen hat Anna in Bamberg, ihrer Heimatstadt, mit 15 oder 16 Jahren. Damals spielte sie Gitarre und nahm das, was sie spielte mit einem einfachem vierspurigem Aufnahmegerät auf.
Nahm auf, was ihr an Melodien in den Kopf kam und probierte sich aus. Auch damals schon sang sie zu diesen Melodien.
Dann wurde sie Sängerin einer Punkband. Wir alle müssen kurz darüber lachen.
Anna, diese junge Frau, deren heutige Musik und deren Auftreten so ruhig und bedacht daher kommt, in einer Punkband. Wir sind kurz verdutzt, für sie selbst aber, war es eine ausschlaggebende Erfahrung.
Die Band hatte sogar einen Auftritt in Österreich und noch heute, in letzter Zeit wieder verstärkt, hört Anna Punk. Sie hat sich eben ausprobiert.
Das Ausprobieren ist generell ein großer Faktor in Anna Bogners Musik. Denn nach ebendieser Phase, entwickelte sie durch Freunde ein Interesse an Jazz, begann wieder eigene Stücke aufzunehmen, und sich auszuprobieren.

 


 

Hier ein kleiner Eindruck früherer Arbeite.

Mirical Media Wonder World

 

No Moon At All

 

Someone To Watch Over Me

 


 

Diese Tendenz begleitet sie nach wie vor; sie selbst nennt das: »Umwerfen, kaputt machen, aufräumen.«
Mit der Zeit wurden die Themen ihrer Musik, ihres Lebens, komplexer. Der Klang ihrer Stücke ihr selbst wichtiger als der Gesang. Der verarbeitende Prozess rückte immer stärker in den Vordergrund. So repräsentieren ihre Stücke heute, was sie fühlt, empfindet und denkt. Die Musik begleitet ihr Leben, und passt diese irgendwann nicht mehr dazu, ist es für Anna notwendig sich den neuen Umständen musikalisch anzupassen. So sollen ihre nächsten Stücke »lauter« werden als bisher und wieder eine neue Richtung einschlagen. Sie will nicht an ein Genre gebunden sein, höchsten grob. Es bleibt wichtig sich auszuprobieren, sich weiter zu entwickeln. Wieder einmal »umwerfen, kaputt machen, aufräumen«. Sicherlich passiert das ständig, durch immer neue Erfahrungen. Für diese, muss sie jedoch den richtigen Weg finden, sie auszudrücken. Diese Suche wird dann auch ein Teil ihrer Musik, schließlich möchte sie die Komplexität der Welt in gefühlvolle Klänge verwandeln.

Multiple Proportions fokussiert zwischenmenschliche Beziehungen. Beobachtet, wie sie Menschen verändern, sich jeglichen Verstandes entziehen und sie glücklich machen können. In ständig, schwankendem Verhältnis zueinander, erfahren wir Neues über uns und den anderen. Sind den Möglichkeiten praktisch keine Grenzen gesetzt. Ähnlich wie in der Musik ist Metamorphose Ziel und Antrieb zugleich. Ein ständiges Streben nach Neuem durch die Veränderung des Alten, schon so Bekannte, drückt sich aus in Lebenslust oder Lebenssehnsucht. Multiple Proportions ist der Versuch all das ein wenig festzuhalten.

 

 

„Romantik ist mir wichtig,

oder i care about romance.“

– Ana Bogner